Kollegenaustausch der Blindenschule Nr. 5 Kiew und der Diesterwegschule Weimar

Die Schulpartnerschaft zwischen der Diesterwegschule Weimar, Staatliches überregionales Förderzentrum mit Förderschwerpunkt Sehen, und der Blindenschule Nr.5 "J. P. Batjuk" Kiew, Ukraine, besteht seit 1999. Im Jahre 2001 fand im Rahmen des Europäischen Jahres des Sprachenlernens ein gegenseitiger Schüleraustausch statt, um ein Kennenlernen der Partnerschulen und beider Städte den sehbehinderten und blinden Schülern zu ermöglichen. Gleichzeitig konnten damit Sprachkenntnisse in Russisch, Deutsch und Englisch praktisch angewandt werden. Der Kontakt wurde nach dieser Begegnung durch den Austausch von Briefen, Sprach- und Gesangskassetten weiter gepflegt.

Für das Jahr 2005 wurde ein Kollegenaustausch organisiert, um gewonnene Erfahrungen zu vertiefen bzw. weitere Schritte der Zusammenarbeit zu aktualisieren.
So weilte eine Gruppe von 8 Pädagoginnen der Weimarer Diesterwegschule vom 30.03. bis 04.04.2005 an der Partnerschule in Kiew. Neben dem persönlichen Kennenlernen der Kollegen, einem regen Erfahrungsaustausch über die sehbehinderten- und blindenspezifische Arbeit an beiden Schulen und Kontakten zu den Kiewer Schülern wurde es den Weimarern ermöglicht, die ukrainische Hauptstadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Ein umfangreiches Programm mit Stadtrundfahrt in deutscher Sprache, Besichtigung des Höhlenklosters und des Museumsdorfes Pirogowo sowie ein Besuch des Opernhauses mit der eindrucksvollen Aufführung der Verdi- Oper "Rigoletto" wurde den Kolleginnen der Diesterwegschule zu unvergesslichen Erlebnissen.

Besonders faszinierte die Weimarer die überaus herzliche Gastfreundschaft und menschliche Wärme der Kiewer Kollegen und Schüler. Höhepunkt des Aufenthaltes stellte ein eigens organisiertes Konzert dar, das die musikalischen Fähigkeiten der sehbehinderten Schüler unserer Partnerschule mit Chor-, Instrumental- und Tanzdarbietungen eindrucksvoll präsentierte.

Während der Besichtigung der Kiewer Blindenschule fiel den Weimarer Kollegen auf, dass es die ukrainischen Kollegen mit viel Initiative, Einfallsreichtum und Engagement vermögen, die Schule so zu gestalten, dass sich die Schüler der 1. bis 12. Klasse in der Internatsschule wohlfühlen können. Trotzdem wurde deutlich, dass zahlreiche blindenspezifische Hilfsmittel wie Braille-Maschinen, tastbare Reliefkarten und Blindenstöcke fehlen. Diese Tatsache motivierte die Weimarer, eine erneute Spendenaktion- ähnlich wie im Jahr 2001- zu starten.

Des Weiteren wird derzeit der Gegenbesuch von 8 Kollegen der Kiewer Blindenschule in Weimar vorbereitet. Dieser soll vom 28.06. bis 03.07.2005 stattfinden. Sämtliche Kosten dafür sind die Weimarer Kollegen bereit, selbst zu tragen, da auf Grund des äußerst geringen Monatsgehaltes der Kiewer Pädagogen von umgerechnet 50 Euro die Finanzierung eines solchen Besuches sonst nicht möglich wäre.

Der Austausch von Schülern bzw. Kollegen soll perspektivisch möglichst alle 2 Jahre stattfinden können, was natürlich weiterhin einen hohen Kostenaufwand bedeutet. Da uns diese Schulpartnerschaft sehr am Herzen liegt und wir auf diese Art einen aktiven Beitrag zur Osterweiterung leisten, hoffen wir, dass wir von hiesigen Instanzen und Sponsoren in unserem Anliegen unterstützt werden.

Weimar, den 12.04.2005     Kerstin Zmeck, Russischlehrerin